Tagesgeldkonto oder Sparbuch – Was ist besser?

Tagesgeldkonto oder Sparbuch – Was ist besser?

Tagesgeldkonten sind genauso sicher wie Sparbücher. Doch wo liegen die Unterschiede zwischen den beiden Varianten und was ist besser? Wir klären Sie auf.

Tagesgeld oder Sparbuch?

Nicht erst seit der Finanzkrise bevorzugen Sparer eine sichere Geldanlage. Das Sparbuch gilt damit nach wie vor als beliebteste Anlageform deutscher Privathaushalte. Die Bundesbürger sammeln auf den klassischen Sparbüchern ohne Sondersparformen sogar wieder mehr Geld. Derzeit belaufen sich dort die Guthaben laut Bundesbank auf 102,7 Milliarden Euro und damit rund 20 Milliarden Euro mehr als noch Anfang 2009.

Obwohl Zinssätze zwischen 0,5 und einem Prozent nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen, vertrauen weiterhin viele Bundesbürger auf das risikofreie Sparbuch – in der Annahme, es gäbe keine gleichermaßen sichere und gewinnbringende Alternative.

Trotz der steigenden Popularität der Tagesgeldkonten verschenken die Sparer somit jährlich Gelder in Milliardenhöhe.

Das Tagesgeldkonto als Alternative zum Sparbuch

55 Prozent der Bundesbürger besitzen nach einer Forsa-Umfrage ein Sparbuch; ein Tagesgeldkonto haben dagegen nur 39 Prozent. Tagesgeld und Sparbuch gelten gleichermaßen als risikoarm. Das Grundprinzip der beiden Produkte ist zudem gleich: Der Sparer verleiht der Bank sein Geld und erhält als Gegenleistung den Zins. Darüber hinaus sind keinerlei Renditen möglich, es gibt jedoch auch kein Risiko.

Zahlungsverkehr

Beide Anlageformen eignen sich in der Regel nicht für den täglichen Zahlungsverkehr, da mit keinem der Konten Abbuchungsvorgänge wie Lastschriften oder Daueraufträge getätigt werden können. Dies ist beim Tagesgeldkonto nur über ein vorher festgelegtes Referenzkonto möglich. Bei einem Sparbuch ist der Besuch in einer Filiale nötig bzw. es sind lediglich Überweisungen, d.h. Einzahlungen, auf das Sparkonto möglich.

InfoManche Tagesgeldkonten sind mit Giro-Funktionen gekoppelt, d.h. es sind z.B. Kreditkartennutzung und Buchungen möglich.

Die Umgestaltung vieler Filialen zu Selbstbedienungsportalen begünstigte auch bei Sparbüchern die Umstrukturierung zugunsten von Spar-Cards, die das klassische Sparbuch ersetzen. Mit dieser Karte können, ähnlich wie bei einem Girokonto, die aktuellen Daten am Kontoauszugdrucker erstellt und Geldbeträge am Automaten abgehoben werden. Für Sicherheit sorgt dabei eine persönliche Geheimnummer.

Verfügbarkeit

» Sparbuch

Einige Banken beschränken die monatliche Verfügbarkeit bei Sparbüchern auf 2.000 Euro. Möchten Sie in einem Monat einen höheren Betrag abheben, müssen Sie Ihre Bank entweder drei Monate im Voraus darüber informieren, oder es droht die Zahlung von Vorschusszinsen.

» Tagesgeldkonto

Ein Tagesgeldkonto ist hingegen täglich in voller Höhe verfügbar. Auch bestehen keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der Öffnungszeiten. Durch das Online-Banking können Sie Bankgeschäfte zu jeder Tageszeit abwickeln. Dies haben einige Anbieter durch das Angebot einer Sparcard zwischenzeitlich wettgemacht, über die gleichermaßen Online-Geschäfte abgewickelt werden können.

Verzinsung

Trotz der derzeitigen Niedrigzinsphase, die aufgrund der Bindung an den Leitzins der EZB auch vor den Tagesgeldkonten nicht Halt macht, sind Zinssätze von durchschnittlich zwei Prozent gängig. Damit liegt das Tagesgeldkonto weit über den Zinssätzen der Sparbücher (durchschnittlich 0,6 Prozent), was sich bereits bei kleinen Beträgen bemerkbar macht. Gerade bei Direktbanken, die ihre komplette Abwicklung und Kontoführung ausschließlich Online anbieten und damit auf den Unterhalt kostenintensiver Filialen verzichten, sind überdurchschnittlich hohe Zinsangebote möglich.

Nachteilig für das Tagesgeldkonto erweisen sich jedoch die schwankenden Zinsen, die täglich verändert werden können, ohne den Kunden darüber zu informieren. Doch ist eine Angleichung an das Niveau der Sparbuchzinsen in der Regel eher unwahrscheinlich, sofern die Angebote nicht ausschließlich auf die ersten Monate oder in Form von Lockangeboten für Neukunden an eine kurze Laufzeit gebunden sind. Die Sparbuch-Zinsen sind im Gegensatz zu den Tagesgeldzinsen an einen Leitzins gebunden und in der Regel nicht verhandelbar.

Eine Alternative stellen seit geraumer Zeit Sparkonten dar, die ebenfalls ausschließlich Online abgewickelt werden und Zinssätze bieten, die mit denen des Tagesgeldes vergleichbar sind.

Staffelzinsen

Während einige Banken Zinssätze für große Spareinlagen auf Sparbüchern erhöhen, sinkt der Zinssatz bei einigen Tagesgeldkontenanbietern ab einer maximalen Einlagesumme zum Teil beträchtlich. Gerade bei Neukunden gilt bis zu einer gewissen Grenze ein Lockangebot, das jedoch Einschränkungen mit sich bringt. Anleger unter dem festgesetzten Schwellenwert sind davon nicht betroffen. Sparer mit hohen Rücklagen sollten aber genau auf die Zinsstaffelung achten.

Zinseszinseffekte

Während bei Sparbüchern die Verzinsung ausschließlich zum Ende eines Kalenderjahres erfolgt, bieten einige Tagesgeld-Anbieter eine vierteljährliche oder sogar monatliche Zinsausschüttung an. Das trägt gerade bei höheren Anlagesummen zu einer Steigerung der Rendite durch Zinseszinsen bei.

Sicherheit

» Tagesgeldkonto

Oftmals locken die deutschen Töchter ausländischer Banken mit besonders anlegerfreundlichen Konditionen. Diese sind jedoch nicht immer durch die Einlagensicherung geschützt, sodass im Falle einer Bankeninsolvenz das Risiko des Geldverlustes droht. Doch es gibt auch zahlreiche Banken innerhalb der EU, die bis zu einer Summe von 100.000 Euro abgesichert sind – was für viele Kleinanleger vollkommen ausreichend ist. Deutsche Banken hingegen sind in der Regel Mitglied in einem der Bundesverbände zur Einlagensicherung, sodass hier eine unbegrenzte Absicherung gegeben ist. Damit ist das Tagesgeldkonto eine nahezu risikofreie Geldanlage, die auch im Falle von Bankeninsolvenzen abgesichert ist.

» Sparbuch

Im Allgemeinen wird auch das Sparbuch als besonders sichere Geldanlage angesehen. Versteckte Risiken hingegen werden verschwiegen: Grundsätzlich kann jeder, der im Besitz eines Sparbuches ist, von diesem Geldbeträge abheben. Ein Identitätsnachweis wird seitens des Bankbeamten lediglich bei berechtigten Zweifeln gefordert. Darüber hinaus bestehen ebenfalls potenzielle Risiken durch die Insolvenz des Kreditinstitutes. Dementsprechend sollten Sie auch bei Sparbüchern nur jene Banken ansteuern, die sich in ausreichender Höhe an einem Einlagensicherungsfond beteiligen. Lediglich Sparkassen weisen als öffentlich-rechtliche Institute ein vernachlässigbar geringes Ausfallrisiko auf und sind außerdem über den Sicherungsfonds der Sparkassen abgesichert.

Kündigungsfristen

» Sparbuch

Sparbücher haben in der Regel eine Kündigungsfrist von drei Monaten. Wenngleich bereits seit 2002 keine gesetzliche Vorschrift mehr vorhanden ist, die eine derart lange Kündigungsfrist vorsieht, wird sie weiterhin häufig als Bedingung von seiten der Banken aufrechterhalten.

» Tagesgeldkonto

Tagesgeldkonten verfügen hingegen über keine Kündigungsfristen, sodass Sie flexibel auf Angebote anderer Anbieter reagieren und Ihr Geld gegebenenfalls verschieben können.

AchtungDerartige Bedingungen, meist im Kleingedruckten versteckt, sollten Sie beim Abschluss eines Tagesgeldkontos berücksichtigen.

Zusatzkonditionen

» Tagesgeldkonto:

Durch die Kombination des Tagesgeldkontos mit einem Girokonto werden unter Umständen zusätzlich Kreditkarten vergeben. Allerdings können dadurch auch zusätzliche Kosten für die Kontoführung entstehen, was insbesondere dann der Fall ist, wenn mit der Eröffnung eines Tagesgeldkontos ein Depotkonto eröffnet werden muss.

» Sparbuch:

Auch einige Anbieter von Sparbüchern benachteiligen Kleinanleger: Wer nicht mehr als einen bestimmten Mindestbetrag auf dem Sparbuch liegen hat, bekommt monatlich einen Betrag abgezogen. Bei der Kontoeröffnung lohnt sich daher die Nachfrage nach so genannten Bonus-Sparbüchern, welche von vielen Banken angeboten werden. Diese garantieren eine stufenweise Erhöhung der Verzinsung bei steigendem Guthaben. Darüber hinaus bieten einige Anbieter von Sparkonten Zusatzleistungen wie kostenlose Bargeldabhebungen im Ausland an.

Fazit

Das Tagesgeldkonto ist eine vollwertige Alternative zum Sparbuch. Für Sparer, die Geld längerfristig anlegen wollen, ist ein Sparbuch dann interessant, wenn es eine variable Verzinsung hat. Die Bindungsfrist erneuert sich dabei mit jedem neu eingezahlten Betrag.

Ein Sparbuch/Sparkonto lohnt sich für:

  • Parken von Mietkautionen gemäß §551 BGB (so genanntes Kautionssparbuch) – Wobei auch hier zunehmend Tagesgeldkonten zum Einsatz kommen
  • Zusatzangebote von Sparkonten, z.B. kostenlose Abhebungen im Ausland über eine Sparcard
  • längerfristige Geldanlagen mit einer variablen Verzinsung (Bonus-Sparbücher)
  • sichere, festgeschriebene Zinssätze

Wer hingegen Folgendes anstrebt, sollte lieber auf ein Tagesgeldkonto ausweichen:

  • volle Flexibilität bei täglichen Abhebungssummen
  • hohe Renditen bei gleichzeitig maximaler Sicherheit
  • die Chance, vom Tagesgeld-Hopping zu profitieren
  • Online-Bankgeschäfte rund um die Uhr
  • kurzfristige, unkomplizierte Deponierung von überflüssigem Haushaltsgeld

Alles in allem bietet das Tagesgeldkonto weit mehr Vorteile als das klassische Sparbuch. Die Sicherheit ist bei beiden Geldanlagen gleichermaßen hoch, wobei das Tagesgeldkonto die attraktiveren Konditionen und aufgrund fehlender Kündigungsfristen und der täglichen Verfügbarkeit der gesamten Einlage eine weitaus größere Flexibilität bietet.